Steigende Strompreise sind ein zentrales Thema für Politik, Wirtschaft und Gesellschaft. Im Folgenden möchten wir Ihnen erklären, wie sich der Strompreis zusammensetzt und die Hintergründe erklären.

Wie setzt sich der Strompreis zusammen?

Die Stromrechnung setzt sich im Wesentlichen aus drei großen Bereichen zusammen:

  • Steuern, Abgaben und Umlagen
  • Staatlich regulierte Netznutzungsentgelte
  • Strombeschaffung, Vertrieb und Services

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Damit sind weite Teile des Strompreises (knapp 80 Prozent) staatlich vorgegeben. Dieser Anteil ist in den vergangenen Jahren stark gestiegen: Seit der Liberalisierung des Strommarktes 1998 haben sich die Steuern, Abgaben und Umlagen nahezu verdreifacht (+281 Prozent).

Was heißt „Energiewende“ überhaupt?

Die Energiewende ist zwingend nötig. Hierbei handelt es sich um die Realisierung eines Konzepts für ein Energieversorgungssystem in der Bundesrepublik Deutschland, das auf erneuerbaren Energien basiert. Das Konzept sieht vor, dass der Anteil der erneuerbaren Energien an der Stromerzeugung von knapp 20 Prozent im Jahr 2011 auf 80 Prozent im Jahr 2050 zu erhöhen. Dieses bedingt nicht nur, dass in den Ausbau der Kraftwerke zur erneuerbaren Energiegewinnung investiert wird, sondern auch in die Stromnetze und in neue Technologien.

Was haben die Steuern und Abgaben mit der Energiewende zu tun?

Die massiven Investitionen, die für den systematischen Umbau zu einem regenerativen und intelligenten Stromsystem nötig sind, fließen über Umlagen, Steuern und Abgaben sowie über Netzentgelte in den Strompreis für die Verbraucher ein. Am Bekanntesten ist die so genannte EEG-Umlage, die in den vergangenen fünf Jahren um rund 90 Prozent gestiegen ist: von 3,59 Cent pro Kilowattstunde auf 6,88 Cent.

Auch bei den Netzentgelten für die Übertragungs- und die Verteilnetze ist die Energiewende zu spüren. Der in Bayern tägige Übertragungsnetzbetreiber Tennet hat angekündigt, zum Jahreswechsel seine Preise massiv um 80 Prozent zu erhöhen. Nach aktuellen Berechnungen machen die Preissteigerungen bei den Netzentgelten bei einem Jahresverbrauch von 3.500 Kilowattstunden inklusive Mehrwertsteuer über 71 Euro aus. In den Gebieten anderer Übertragungsnetzbetreiber steigen die Netzentgelte bei Weitem nicht so stark.

Die Erhöhungen der Netzentgelte fallen regional sehr unterschiedlich aus, weil die Übertragungsnetzbetreiber mit regional unterschiedlich hohen Kosten für die Integration der erneuerbaren Energien umgehen müssen. Das heißt, dass in einigen Regionen mehr in neue Stromleitungen investiert werden muss als in anderen. Das betrifft am häufigsten die teuren Stromtrassen, die den Windstrom aus dem Norden zu den Verbrauchszentren im Süden transportieren sollen.

Bringt die Energiewende überhaupt etwas – oder kostet sie nur?

Die Energiewende ist zwingend nötig, doch die hohen Kosten hierfür sind ungerecht verteilt. Um die Akzeptanz der Energiewende langfristig zu sichern, sollte die Strompreiserhöhung nachhaltig gedämpft werden. Ausnahmeregelungen, etwa für energieintensive Industrien, befeuern die Spirale der Preiserhöhungen weiter. Daher sollten sich alle Stromkunden solidarisch an der Finanzierung der Energiewende beteiligen. Dafür muss das Umlagen- und Entgeltsystem grundlegend überarbeitet werden, um in Zukunft eine faire Lastenverteilung herzustellen.